Refraction House, 1994, Synagoge Stommeln / Photo: Hubertus Birkner, Köln / © Archive Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Refraction House, 1994, Synagoge Stommeln / Photo: Hubertus Birkner, Köln / © Archive Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2018Refraction House, 1994, Synagoge Stommeln / © Archive Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2018Refraction House, 1994, Synagoge Stommeln / Photo: Hubertus Birkner, Köln / © Archive Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2018Refraction House, 1994, Synagoge Stommeln / Photo: Hubertus Birkner, Köln / © Archive Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2018Refraction House, 1994, Synagoge Stommeln / Photo: Hubertus Birkner, Köln / © Archive Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2018Refraction House, 1994, Synagoge Stommeln / Photo: Hubertus Birkner, Köln / © Archive Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Refraction House, 1994

Stommeln Synagogue

16 1000-watt spotlights, 3 scaffolds, each 5 x 3 m

The synagogue in Stommeln the Lower Rhine can barely be seen from the main street and is set back in a courtyard. For a period of eight weeks, the building was closed and lit from the inside with intense light, so that the building illuminated the surrounding area like a light sculpture, becoming a symbol that could be seen from afar.

Mit seiner Erinnerungsarbeit über ein Erinnerungszeichen, die Synagoge Stommeln, bewegt sich Mischa Kuball im sozialen Bereich unserer urbanen Umwelt. Wie schon im Herbst 1990 bei der frappierenden Umwandlung des Mannesmann-Hochhauses in ein Megazeichenoder bei der zwei Jahre später realisierten Lichtbrücke am Bauhaus handelt es sich auch hier um eine temporäre Installation. Während sich in Düsseldorf die Architektur vorübergehend in eine mächtige Lichtskulptur verwandelte, die die nächtliche Stadtsilhouette dominierte, diente in Dessau eine Außenwand der Inkunabel modernen Bauens für etliche Abende als Projektionsfläche geometrischer Zeichen, wodurch auf ingeniöse Weise der Denkmalanspruch untergraben und zugleich die utopische Programmatik des Bauhauses hervorgekehrt wurde. Im Spannungsfeld dieser beiden bemerkenswerten Arbeiten Kuballs ist auch sein refraction house anzusiedeln. Wie seinerzeit in Düsseldorf erstrahlt das Gebäude von innen, hier allerdings sehr viel intensiver, so als sollte das Zeichen sich selbst überblenden. Und ähnlich wie in Dessau trifft das Licht benachbarte Häuser, ist aber so gestreut, dass Mauern und Zäune, Bäume und Büsche lange Schatten werfen. Kuballs Idee ist ebenso einfach wie überzeugend: Die Synagoge, obwohl von der Hauptstraße kaum zu sehen, so eingeschachtelt und verborgen liegt sie, wird vor allem während der Dämmerung und in der Nacht durch die enorme Helligkeit zum Anziehungspunkt, der unsere Neugier weckt; näher gekommen, weisen uns jedoch die grellen Scheinwerfer ab, verbieten geradezu den Eintritt und lenken alle Aufmerksamkeit auf uns selbst zurück beziehungsweise auf das Umfeld, dessen Zentrum der kultische Raum bildet. Durch die gebündelte Energie im Innern erscheinen die Mauern der Synagoge finster, ihre Scheiben gleißend, beides jedenfalls entmaterialisiert. Pfosten und Sprossen der fünf Fenster und der Lünette brechen die Strahlen und werfen eine dunkle Zeichnung in den Raum, besonders eindringlich bei feuchter Witterung. So liegt ein scharfer Gegensatz zwischen der Konzentration des sich selbst überstrahlenden Monuments einerseits und der Diffusion eines Lichtes andererseits, das keine Bilder oder geometrischen Formen projiziert, sondern gleichsam nur sich selbst.

Further Text: Zweite, Armin, 2007

Publication: 1994 Refraction House